Die Kita – (K)ein Ort für Fließband – Arbeit?

Ich erinnere mich an einen scheinbar normalen Arbeitstag als pädagogische Fachkraft in einer Kita. Zu dem Zeitpunkt, durften wir die Türen in der Pandemie Zeit, wieder für alle öffnen. Der Regelbetrieb sollte wieder aufgenommen werden.

Ein Tag im Regelbetrieb in der Corona Zeit und mit Personalmangel

Ich war als Gruppenleitung einer Inklusionsgruppe tätig. Dort wurden Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren betreut. Die Gruppe bestand aus 22 Kindern. Zu meinen Gruppenkolleginnen, gehörten eine Integrativkraft und zwei weitere Fachkräfte, welche ihr Anerkennungsjahr während der Pandemiezeit erlebt hatten. Nun bekamen wir die Anweisung, wieder in den Regelbetrieb überzugehen. An diesem Tag, an den ich mich hier erinnere, wurde mir bewusst, dass ein Regelbetrieb wie wir ihn von früher kannten, einer Wunschvorstellung ähnelte. In den darauffolgenden Wochen kam es zu einigen Ausfällen einiger Kolleginnen. Eine Kollegin, würde auf unbestimmte Zeit fehlen. Zusätzlich kamen wieder Praktikantinnen und Praktikanten. Wir freuten uns darüber, dass wieder Leben in die Kita kam. Jedoch stellte sich schnell die Frage, wer die Praktikantinnen und Praktikanten anleiten sollte. Auch standen bei diesen Praxisbesuche an. Zu diesen und anderen Gesprächsterminen, war die Gruppe oft unterbesetzt. Die Pausenzeiten der pädagogischen Fachkräfte, mussten öfter immer weiter nach hinten geschoben werden oder man nahm sie, jedoch war es gar nicht möglich, sich zu entspannen.
Die Elternarbeit musste ganz von vorn begonnen werden. Wie funktionierte nochmal der Smalltalk mit den Eltern? Wieso rannten die Eltern auf einmal telefonierend durch die Einrichtung? Wieso? Ja, weil es lange anders war. Sie hatten es einfach vergessen.


Aus meiner Perspektive und Position, sah der Tag wie folgt aus:

Ich musste mich, auch wenn ich Gruppenleitung war, nicht nur auch erneut an den Regelbetrieb gewöhnen, sondern ebenso gemeinsam mit dem Kleinteam eine neue
Tages – und Wochenstruktur erstellen. Nicht nur die Praktikantinnen und Praktikanten, sondern auch die Kolleginnen, mussten sich neu einarbeiten. Einige Kinder, machten eine erneute Eingewöhnung durch. Zu den Eltern, deren Kinder während der Pandemiezeit eingewöhnt wurden, musste erst einmal intensive Vertrauensarbeit geleistet werden. Hinzu kamen die Planungen für Feste und Ausflüge, die nun wieder möglich waren. Aufgrund der hohen Belastung auf der Arbeit einiger Eltern, mussten deren Kinder nun länger betreut werden. Egal, ob am Vor – oder am Nachmittag… Die Anzahl der Kinder blieb konstant. Die Anzahl der Mitarbeiter jedoch nicht. Ich hatte nicht nur die Aufgaben, die alle anderen pädagogischen Fachkräfte hatten, sondern musste zusätzlich beobachten, um zu erkennen, wo im pädagogischen Alltag innerhalb des Kleinteams noch Optimierungen notwendig waren.

Und was ist mit den Kindern?

Richtig. Ein entscheidender Aspekt, wurde von mir bisher nicht erwähnt. Wurde nicht erwähnt, weil sich zu diesem Zeitpunkt um die vorher genannten Dinge gekümmert wurde. Und daher, war ich an diesem bestimmten Tag ebenso schockiert wie traurig, als mir bewusstwurde, dass man über alles sprach… Fachkräfte, teilten ihre Gefühle und Unsicherheiten mit, Elternarbeit wurde neu „erprobt“ und Projekte, Ausflüge und Feste wurden geplant. Jedoch ein Aspekt, schien in unserem neuen Regelbetrieb zu fehlen.
Die Kinder. Was war mit ihren Gefühlen? Mit ihren Ängsten? Wie haben sie die Pandemiezeit erlebt? Wie haben sie diese verbracht? Was wünschten sie sich für die Kita? Worauf hatten sie zurzeit Lust? Wo lagen derzeit ihre Interessen? Wie war der Entwicklungsstand der Kinder? Wo hatten sie Unterstützungsbedarf?
Tausend Fragen gingen mir durch den Kopf. Wie sollten wir uns für jedes Kind die Zeit nehmen, wenn es so viele Umstände nicht möglich machten? Hinzu kam noch, dass sich die pädagogischen Fachkräfte nach einiger Zeit in der Zusammenarbeit und in der Kommunikation veränderten. Durch den täglichen Druck, alles unter einen Hut bekommen zu wollen, jedem und allem gerecht zu werden, für Kritik offen zu sein und an seinem beruflichen Know – How arbeiten zu müssen, aber bitte immer mit einem Lächeln, machte sich Gereiztheit bemerkbar.

Welche Auswirkungen hat dieses Chaos auf die Entwicklung der Kinder?

Kinder benötigen Rituale, um sich sicher zu fühlen und sich orientieren zu können. Zu diesem Zeitpunkt schwebten die Kinder entweder in der Luft oder es wurde jeden Tag herumprobiert, da es keine einheitliche Linie mehr gab oder trotz zuvor besprochener Struktur, jeder spontan seine eigene Struktur umsetzte. Die Kinder brauchten daher lange, um sich einzugewöhnen. In dem neuen/alten Regelbetrieb, fehlte den Kindern eine Vorbildfunktion. Wie sollten unsichere Fachkräfte als Vorbild dienen? Dies bewirkte, dass die Kinder viel weinten, manchmal ohne offensichtlichen Grund. Die Gereiztheit der pädagogischen Fachkräfte, wirkte sich auch auf die Kinder aus. Sie hörten Diskussionen der Fachkräfte untereinander mit an und auch den Frust, die Verzweiflung und Überforderung der pädagogischen Fachkräfte, bekamen sie zu spüren. Es kam immer mal wieder vor, dass sich eine Fachkraft eine „Fünf Minuten – Auszeit“ nahm. Diese Vereinbarung trafen wir im Kleinteam für den Fall, dass alles für einen Moment zu viel war. Auch ich konnte mich nicht davon freisprechen und musste mir in der gesamten Zeit zweimal diese Auszeit nehmen. In einer Kleinteamsitzung merkte ich an, die Auszeit auch für die Kinder einzuführen. Dies besprachen wir mit den Kindern während des Morgenkreises und nannten dazu aktuelle Gründe. Dies fand bei den Kindern so viel Anklang, dass wir uns gemeinsam ein Projekt zum Thema „Gefühle“ überlegten. Außerdem überarbeiteten wir im Kleinteam noch einmal unsere Struktur gemeinsam. Wir stellten fest, dass es von da an, von Woche zu Woche besser funktionierte. Da erkannte ich, dass mit den pädagogischen Fachkräften alles steht und fällt. Und ebenso davon das Wohlbefinden der Kinder abhängt.
Denn ein Schiff ohne Anker, wird niemals rasten können.

Fazit: Ein Regelbetrieb nach einer so langen Zeit wieder umzusetzen, hätte
einen „Schritt für Schritt – Plan“ für pädagogische Fachkräfte gebraucht.
             Es sollte mehr für das Wohlbefinden der pädagogischen Fachkräfte getan
werden:
            Regelmäßige durch den Träger bezahlte Schulungen, präventive
Maßnahmen für die mentale und körperliche Gesundheit etc..
            Es wäre eine Win – Win Situation.
            GESUNDE FACHKRÄFTE = GLÜCKLICHE KINDER

Svenja Gleffe

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